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GERHARD RICHTER

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG VON 2008 BIS 2017 IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
GERHARD RICHTER, SPIEGEL, 1986
FOTO: TOBIAS HÜBEL

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Susanne Schwieger, Mitarbeiterin des Kunstvereins, über Gerhard Richters "Spiegel".

An einer Wand hat der Künstler Gerhard Richter einen Spiegel aufgehängt. Der Spiegel hängt zu hoch, um seinen Betrachter zu zeigen, stattdessen erspäht man ein Stück Decke des Raums. Ich könnte jetzt langatmig resümieren über Egomanie und Narzissmus, den Tellerrand blicken, Komfortzonen, Selfiewahn und dass die Sonne sich immer nur um uns dreht, aber das hat ja schon Herr Richter getan. Er hat einfach einen Spiegel aufgehängt.

CARL FRIEDRICH LESSING

IM KUNSTVEREIN

AUS DER SAMMLUNG DES KUNSTVEREINS BREMERHAVEN
CARL FRIEDRICH LESSING, "LANDSCHAFT MIT WILDBACH", UM 1840

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Unsere Volontärin, Bente Jürgensen, über Carl Friedrich Lessing und sein Werk "Landschaft mit Wildbach".

JÜRGEN PARTENHEIMER

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNTMUSEUM BREMERHAVEN
JÜRGEN PARTENHEIMER
FOTO: TOBIAS HÜBEL

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Unsere FSJlerin, Catriona Kirchhoff, über den Künstler Jürgen Partenheimer.

Klare Formen, Striche, Schichten und Elemente.
Partenheimer erschafft im Stil des abstrakten Expressionismus und Minimalismus eine Bildsprache, die nicht nur Emotionen widerspiegelt, sondern diese auch auslöst. Nicht immer findet sich ein direkter Zugang zu seinen Bildern, jedoch fesseln sie und erwecken den Wunsch mehr verstehen zu wollen, in eine Sphäre eintauchen zu wollen, die erschaffene Grenzen sprengt.

Genau das bewirken Partenheimers Werke, sie spielen mit Möglichkeiten, Paradoxen, Zeit und Raum.

Der  1947 in München geborene Künstler ist als Vertreter der subjektiven Abstraktion einer der bedeutendsten seiner Generation. Ende 2014 stellte Partenheimer in der Kunsthalle Bremerhaven aus. „Das Archiv- Le bouleau volant“, bestehend aus 79 Arbeiten auf DIN-A4-Papier, entstand 1979 und war im darauf folgenden Jahr sein Beitrag zur Biennale in Paris. Mit le bouleau volant gibt Partenheimer nicht nur einen Einblick in sein Archiv, sondern bietet den Betrachtern die Möglichkeit für neue Erfahrungen, Erlebnisse und Wahrnehmungsperspektiven, die sich in seinen Werken verbergen. Es heißt ja nicht umsonst, das Wesen der Dinge versteckt sich gern.

„Kunst ist der intellektuelle Ausdruck von Emotionen, die wiederum willentlicher Ausdruck des Lebens sind.“     Fernando Pessoa

Z. SCHMIDT

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
Z. SCHMIDT, LANDSCHAFTSMALEREI, 2012
FOTO: TOBIAS HÜBEL

Dr. Kai Kähler über das Werk Landschaftsmalerei von Z. Schmidt.

Zwischen den Gemälden Otto Modersohns und dem Video Landschaftsmalerei der Künstlerin Z. Schmidt liegen rund 100 Jahre. Otto Modersohn begann sein Studium 1883. Allerdings brach er es nach kurzer Zeit ab und wandte sich wieder dem Akademismus, dem Natürlichen, dem Ursprünglichen zu.

Z. Schmidt studierte an der Hochschule für Künste in Bremen und erhielt 2014 als Meisterschülerin mit dem Karin-Hollweg-Preis den höchst dotierten Förderpreis deutscher Kunsthochschulen. Ihre bevorzugten Ausdrucksmittel sind Fotografie und Video, aber auch Installationen mit Ton und Sprache. In der Tradition der Minimal Art und Konzeptkunst sind ihre Werke zumeist sehr präzise, kompromisslos, reduziert auf das Notwendigste, sowie auf den räumlichen Kontext ihrer Präsentation bezogen. Ihre Projektionen widmen sich kunsthistorischen Fragestellungen oder gesellschaftlichen Themen wie Migration, Gerechtigkeit oder Geschlechterrollen. In manchen ihrer Arbeiten gibt es mitunter jedoch auch Momente einer postminimalistischen Komik. So etwa im Wortspiel der Videoinstallation Landschaftsmalerei.

PALERMO

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG VON 2008 BIS 2017 IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
PALERMO, HAPPIER THAN THE MORNING SUN (TO S. WONDER), 1975
FOTO: TOBIAS HÜBEL

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Moritz Wesseler, Direktor des Museums Fridericianum und Mitglied des Vorstandes des Kunstvereins Bremerhaven, über das Werk "Happier than the morning sun" von Blinky Palermo.

„Happier than the morning sun“ – „Glücklicher als die Morgensonne“, so lautet der programmatische Titel jenes Auflagenobjektes, das nicht nur eines der herausragenden Exponate innerhalb des Bremerhavener Palermo- Werkkomplexes darstellt, sondern gleichzeitig auch eines der bedeutendsten Multiples des Künstlers repräsentiert.

Mit vier graphischen Blättern und einem Holzobjekt setzt sich die Arbeit aus insgesamt fünf Elementen zusammen, die durch die von Palermo vorgegebene Hängung unmittelbar in Beziehung zueinanderstehen. Jeder Bestandteil des Werkes zeigt ein und dasselbe Dreieck, das jeweils in verschiedenen Ausprägungen wiedergegeben ist. Während das Holz-Dreieck durch klare Konturen gekennzeichnet ist, sind die mit rötlich-braunen Linien umschriebenen Dreiecke der Graphiken von einer größeren Freiheit und Offenheit geprägt.

Die Vorzeichnungen zu diesem Werk entstanden im Jahr 1974 in einer Zeit, als Palermo bereits seit einigen Monaten in New York lebte und sich in einer tiefen persönlichen Krise befand. Vor dem Hintergrund einiger tragischer Ereignisse in seinem privaten Umfeld gelangen Palermo nur noch vereinzelt Werke. Mit seinem Künstlerfreund Imi Knoebel unternahm er daher im Verlauf des Jahres eine Reise durch die Vereinigten Staaten, in deren Rahmen er sich intensiv mit den unterschiedlichen Lichtverhältnissen und der Landschaft auseinandersetzte. Im Zuge dieser Reise gelang es Palermo seine Krise zu überwinden und einen Neuanfang in seinem künstlerischen Werk zu wagen. Das 1975 entstandene – und dem amerikanischen Soulsänger Stevie Wonder gewidmete – Auflagenobjekt markiert den Endpunkt von Palermos Schaffenskrise und symbolisiert damit zugleich auch einen Neubeginn innerhalb seines Werkes.

CARL MARIA NICOLAUS HUMMEL

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG VON 2008 BIS 2017 IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
CARL MARIA NICOLAUS HUMMEL, GROßE ROMANTISCHE LANDSCHAFT, 1871
AUS EINEM NACHLASS, FOTO: TOBIAS HÜBEL
 

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Die Kunsthistorikerin Nora Schwabe über Hummels Große romantische Landschaft.

Selten waren Lichtblicke für eine globale Gesellschaft von so hoher Bedeutung wie in diesen Tagen. Das Gemälde von Carl Maria Nicolaus Hummel (1821-1907) ist ein Lichtblick in unserer Zeit, auch wenn es bereits vor 149 Jahren geschaffen wurde.

Der in Weimar geborene Hummel lebte in einer Zeit der großen gesellschaftlichen Aufbrüche. Es war die Zeit des Aufstiegs des Bürgertums, der industriellen Revolution und der damit verbundenen Urbanisierung des Lebens. Im Gegenzug verbreitete sich ein verstärktes Interesse an der unberührten Natur. Bereits 1786 begab sich der bekannte Dichter, Kunsthistoriker und Naturwissenschaftler Johann Wolfgang von Goethe für zwei Jahre auf eine Italienreise. 30 Jahre später veröffentlichte Goethe seine „Italienische Reise“. Diese Schrift wurde zum Leitfaden für die Kunst des frühen 19. Jh.. All dies löste eine fundamentale Veränderung in der Landschaftsmalerei aus. Beliebte Motive waren romantisch verklärte Landschaften im warmen Licht Italiens, oft mit dezent eingesetzter figürlicher Staffage.

Die „Große romantische Landschaft“ ist beispielgebend für diese drastische Veränderung in der Malerei des 19. Jh.. Ein Panorama auf eine in Licht und Schatten gehüllte Berglandschaft unter einem freundlich blauen Himmel mit weißen Wolken, figürlicher Staffage im Bildvordergrund und sogar einer kleinen Burg, einem Gebäude auf einem der kleineren Bergwipfel.

Diese gefühlsbetonte Darstellung der Landschaft, die zuvor in der Natur studiert und skizziert und schließlich im Atelier vollendet worden war, entsprach den Gefühlen und Stimmungen der Menschen, ihrem Wunsch nach Stille und Reinheit und schuf abseits der industrialisierten Städte ihre Sehnsuchtsorte.

Hummel studierte bis 1841 bei Friedrich Preller, einem bedeutenden Vertreter der heroischen Landschaftsmalerei dieser Zeit, an der Kunstschule Weimar, machte gemeinsam mit ihm zahlreiche Studienreisen nach Italien und wurde 1860 Professor an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar. Seine Malerei zeichnet sich durch ihr feines Naturgefühl und romantisch-poetische Naturauffassung aus, welche letztlich ihren Niederschlag in einer virtuosen Maltechnik und Farbgebung fand. Bis zu seinem Tod blieb er in Weimar tätig und zählte bereits damals und auch heute noch zu den wichtigsten und wegweisenden Vertretern der Landschaftsmalerei des 19. Jh..

RAIMUND GIRKE

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
RAIMUND GIRKE, INS SCHWARZ GESCHRIEBEN - SUITE: WEISS-HORIZONTE II, VI, IV, X, 1993
FOTO: TOBIAS HÜBEL

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Susanne Schwieger, Mitarbeiterin des Kunstvereins, über Raimund Girkes Arbeiten.

Weiss ist Ruhe und Bewegung, ist Aktivität und Passivität.

Weiss ist Reinheit und Klarheit.

Weiss ist grenzenloser dimensionaler Raum, ist immateriell.

Weiss ist reine Energie.

Diesen Text schrieb Raimund Girke 1967 und eigentlich reichen diese vier Sätze aus, um sich den Werken des 1930 geborenen Malers nähern zu können, die er in seinen frühen Jahren schuf. Die Bilder mit ihren sanften und zarten Farbabstufungen sind radikal und kompromisslos, spannungsgeladen und nie langweilig. Girke relativiert den Farbwert seiner weißen Farbe und schafft durch feinste Abstufungen Phänomene und unbestimmte Räume.

HANS JACOBY

IM KUNSTVEREIN

AB DEM 18. JUNI IM FOYER DES KUNSTMUSEUMS BREMERHAVEN
GEORG HILLMANN, PORTRAIT DES MALERS HANS JACOBY, o.J.

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Dr. Kai Kähler über den Künstler Hans Jacoby.

Das Gemälde zeigt den Maler Hans Jacoby. Es verweist auf einen Nachlass von Werken verschiedener Künstler aus der Zwischenkriegszeit, die dem Kunstverein aktuell von der Familie Hans Jacobys vermacht worden sind. Hans Jacoby (1904-1949) selber gehörte zwischen den Weltkriegen zu den bekanntesten Künstlern in den Unterweserorten. Nach einer Ausbildung zum Maler und Anstreicher, studierte er drei Jahre Malerei und Grafik an Kunstgewerbeschule in Bremen bei Professor Willy Menz und anschließend in Hamburg an der Kunstakademie. In Bremerhaven war er zunächst als Plakatmaler und Schaufensterdekorateur bei Karstadt tätig, bevor er hauptberuflich dekorative Malereien für Ladenpassagen auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd gestaltete. Nebenbei entwarf er nach Feierabend Kinoplakate.

Künstlerisch war er in erster Linie als Maler tätig, schuf Landschafts- oder Stadtansichten sowie Blumenstilleben. Zugleich unterhielt er enge Freundschaften zu anderen Künstlern aus der Region, wie beispielsweise zu Georg Hillmann, der Jacoby hier als fröhliche und unternehmungslustige Person portraitiert. Der Nachlass, den der Kunstverein jetzt erhalten hat, umfasst insofern nicht nur ein Konvolut von Gemälden und Grafiken verschiedener Künstler. Er dokumentiert auch die freundschaftlichen Verbindungen zwischen den Künstlern und Personen aus anderen Kulturkreisen sowie das rege kulturelle Leben an der Geestemündung in den Jahren der Weimarer Republik.

Ab dem 18. Juni 2020 ist eine Auswahl von Werken des Künstlers Hans Jacoby im Foyer des Kunstmuseums Bremerhaven zu sehen.

THORSTEN BRINKMANN

IM KUNSTVEREIN

IM MAGAZIN DES KUNSTVEREINS BREMERHAVEN
THORSTEN BRINKMANN, "SE KING", 2017
FOTO: KUNSTVEREIN

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© Brinkmann, 2017

Die Kunstwissenschaftlerin Stefanie Reimers interviewt Thorsten Brinkmann über seine Fotoserie "Se King".

KARL FRED DAHMEN

IM KUNSTVEREIN

KARL FRED DAHMEN, STRUKTURBILD, 1963
© VG Bild-KUNST, Bonn 2020

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Susanne Schwieger, Mitarbeiterin des Kunstvereins, über Karl Fred Dahmens "Strukturbild".

Die informelle Arbeit des 1917 geborenen Malers Karl Fred Dahmen mit seinen schrundigen Strukturen und erdigen Farbnuancen erscheint wie ein Hinweis auf seinen vom Braunkohleabbau gezeichneten Heimatort Stolberg bei Aachen. Schichtungen und Klüfte des Farbmaterials schaffen ein objekthaftes Bild, dessen reliefartige Strukturen mit ebenen Flächen in Kontrast stehen. Die vom Künstler selbst angemischten und mit Sand und Bimssteinmehl angereicherten Farben reißen beim Trocknungsprozess auf, Furchen werden aus den Farbschichten herausgekratzt. Karl Fred Dahmens Werke, für die sich der Begriff „terrestrisch“ etabliert hat, mögen intuitiv und zufällig wirken, doch der Künstler arbeitet geplant, er komponiert und konstruiert. So verwundert es auch nicht, wenn er von sich selbst sagte: „Ich male keine Landschaft, ich mache sie.“

GREGOR SCHNEIDER

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
GREGOR SCHNEIDER, TOILETTE, 2010
FOTO: TOBIAS HÜBEL
© VG Bild-KUNST, Bonn 2020

ON THE INTERNET

Rainer Steinmetz, langjähriger Gästebetreuer im Kunstmuseum, über Gregor Schneiders "Toilette".

Im Kunstmuseum befindet sich im 2. Stockwerk ein Toilettenraum, der nicht zur Benutzung gedacht ist, sondern ein Kunstwerk des bekannten Künstlers Gregor Schneider darstellt. Es handelt sich um die Toilette des "Kabinetts für aktuelle Kunst".

Das „Kabinett für aktuelle Kunst“, in dem schon in den 60er Jahren namhafte Künstler wie Blinky Palermo oder Gerhard Richter ausgestellt haben, ist ein historisch bedeutender Ausstellungsraum im Erdgeschoss der Kunsthalle, der vom Ausstellungsmacher Jürgen Wesseler betrieben wurde. Und in der Toilette, die als Abstellraum genutzt wurde, haben viele verschiedene Künstler*innen, die damals teilweise noch unbekannt waren und später international bekannt wurden, Reste ihrer Ausstellungen hinterlassen. So findet sich dort u.a. ein Overall von Luc Tuymans oder eine Wasserwaage, die Ceal Floyer benutzt hat.

Auch Gregor Schneider, dessen Kunst fast immer Räume und Gebäude thematisiert, hat mehrfach im Kabinett ausgestellt. 2010 hat er die schließlich der Toilettenraum mit dem gesamten Inhalt aus dem Kabinett in das Kunstmseum transferiert, womit der Raum selbst mit all seinen Alltagsgegenständen den Status eines Kunstwerks erhielt.

Kunsthistorisch ist ein Abort keineswegs ein so ungewöhnlicher Kunstgegenstand wie möglicherweise vermutet. So knüpft die Toilette beispielsweise historisch an das erste, als Kunstwerk präsentierte Pissoir von Marcel Duchamp an, das dieser 1917 bei einer New Yorker Kunstausstellung einreichte.

Ich persönlich sehe die Toilette inzwischen als eine Art Reliquienschrein, der an 40 Jahre Ausstellungsgeschichte im Kabinette für aktuelle Kunst erinnert.

LUC TUYMANS

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG VON 2012 BIS 2017 IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
LUC TUYMANS, THE RUMOUR, 2002
LEIHGABE AUS PRIVATBESITZ
FOTO: TOBIAS HÜBEL

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Dr. Kai Kähler über das Werk "The Rumour" von Luc Tuymans.

FRANZ ERHARD WALTHER

IM KUNSTVEREIN

IN DER KUNSTHALLE IM KUNSTVEREIN BREMERHAVEN
FRANZ ERHARD WALTHER,  "STANDSTELLE MIT HALBIERTER WESTE II“, 1982
© VG Bild-KUNST, Bonn 2020

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Unsere Volontärin Bente Jürgensen über Franz Erhard Walthers „Standstelle mit halbierter Weste II“.

OTTO MODERSOHN

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
OTTO MODERSOHN, IM PARK, 1906
 

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Die Kunsthistorikerin Nora Schwabe über Otto Modersohns Gemälde "Im Park".

Ende des Jahres 2018 hatte der Kunstverein Bremerhaven das Glück einer Erbschaft aus einem Bremerhavener Nachlass mit zahlreichen Gemälden kunsthistorisch bedeutender Künstler. Das Gemälde „Im Park“ von Otto Modersohn ist eines davon. Es zeigt die Schwestern seiner Ehefrau und bekannten Künstlerin Paula Modersohn-Becker, Milly und Herma Becker, auf einem sommerlichen Spaziergang im wechselvollen Spiel von Licht und Schatten eines Parks. Im Oeuvre von Otto Modersohn ist diese lichte, unbeschwerte Impression eines Sommertages mit figürlicher Staffage eine Seltenheit.

Nach einem 4jährigen Kunststudium an der damals noch renommierten Kunstakademie Düsseldorf schwappte aber auch bei Modersohn wie bei vielen anderen jungen Kunststudenten der Geist einer jungen französischen Künstlergeneration zu ihnen. Nach dem Vorbild der Schule von „Barbizon“ wollten auch diese Künstler raus aus den angestaubten Ateliers der Akademie und in der freien Natur, spontan und mit schnellem Pinselstrich ihre Bilder malen. Klassisch ideale Landschaftskompositionen nach vorab skizzierten Studien waren tabu. Realistische Natur- und Landschaftsstimmungen im rasch wechselnden Licht interessierten und fokussierten das malerische Auge der ungestümen angehenden Künstler. Die junge Generation zog es aufs Land. Nachdem Fritz Mackensen 1884 Worpswede, ein kleines Dorf im niedersächsischen Teufelsmoor für sich entdeckte, zog er rasch mit seiner Begeisterung viele seiner Studienkollegen in den Bann. Bereits 1895, nach einem großen Erfolg auf einer der damals wichtigsten Kunstausstellungen im Münchener Glaspalast, gründeten Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Fritz Overbeck, Hans am Ende, Carl Vinnen und Heinrich Vogeler, alle Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie, die heute in Deutschland bekannteste Künstlerkolonie Worpswede.

Otto Modersohn, einer der ersten, die Worpswede für sich und ihre Kunst entdeckten, bevorzugte in seinen Motiven die Dünen und Tümpel im Teufelsmoor, die Hammewiesen und den Weyerberg, Birkenstämme und die Moorgräben. Dargestellt in den realistischen Farben dieser Landschaft, in gedeckten dunkleren Brauntönen und expressiver Pinselführung. Unser neuerworbenes Gemälde „Im Park“ ist selten im frühen Schaffen von Otto Modersohn. Ein lichtes Bild in hellen Farbtönen, mit feiner Nuancierung von Hell und Dunkel. Unbeschwert stellt es die schöne Situation eines Sommernachmittags dar. Eine spontane Reflektion der Freude und Leichtigkeit im Stil des Impressionismus.

ILYA KABAKOV

IM KUNSTVEREIN

ILYA KABAKOV, "DER LETZTE SCHRITT", 1998
INNENANSICHT 
© VG Bild-KUNST, Bonn 2020

ON THE INTERNET

Rainer Steinmetz, langjähriger Gästebetreuer im Kunstmuseum, über Ilya Kabakovs "Der letzte Schritt".

Zwischen der Hochschule Bremerhaven und der Straße „Karlsburg“ befindet sich ein Backsteinkubus. Es handelt sich um ein Denkmal, dass der Künstler Ilja Kabakov entworfen hat, der aus der ehemaligen Sowjetunion stammt. Der sogenannte Kabakov-Würfel, heißt eigentlich "Der letzte Schritt". Er wurde 1998 im Rahmen eines "Kunst am Bau" Wettbwerbs geschaffen.

"Der letzte Schritt" ist sowohl Bau- wie Kunstwerk. Von den Resten eines Hauses, dass im 19. Jahrhundert für den Zwischenaufenthalt von Auswanderern in Bremerhaven errichtet worden war und das in der Fassade der Hochschule erhalten geblieben ist, geht man durch den Kubus, der ursprünglich an Front- und Rückseite offen war.

Im Inneren sind die Wände mit dem Oberdeck eines Schiffes bemalt. Auf dem Schiffsdeck sieht man die Auswanderer, ungeschützt dem Wetter ausgesetzt, liegen.

Der Weg vom „Auswanderhaus“ zum Kubus und dessen Fußboden ist derart gepflastert, dass ein fester Tritt nicht möglich ist. Der Betrachter wankt zwangsläufig etwas beim Laufen und geht damit eine Beziehung zur schwankenden Situation der Auswanderer an Bord des Schiffes ein. Der Kubus und seine Auszeichnung thematisieren damit die gleichzeitig offene wie unsichere Situation einer Auswanderung.

Leider mussten die zunächst offenen Türen durch abschließbare Gittertüren verschlossen werden, um eine zweckfremde Nutzung des Raumes zu unterbinden. An der Kasse des Kunstmuseums wird jedoch ein Schlüssel verwahrt, so dass der Kabakov-Würfel für Besucher*innen geöffnet werden kann.

DIETRICH HELMS

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG VON 2014 BIS 2017 IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
DIETRICH HELMS, VERSCHIEDENE WERKE 1967-1972
FOTO: TOBIAS HÜBEL, © VG Bild-KUNST, Bonn 2020

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Dr. Kai Kähler über Arbeiten von Dietrich Helms.

HENK VISCH

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG VON 2008 BIS 2017 IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
HENK VISCH
FOTO: TOBIAS HÜBEL
© VG Bild-KUNST, Bonn 2020

ON THE INTERNET

Die Kunsthistorikerin Nora Schwabe über Henk Visch.

„Alles, was der Betrachter über eine Skulptur von mir denken kann, ist Bestandteil der Skulptur.“

Der niederländische Bildhauer, Graphiker und Poet Henk Visch sagte dies 1990 in einem Interview. Damit weist er auf ein offenes System, eine Einladung, eine Möglichkeit hin, die sich uns allen präsentiert. Er überlässt uns, dem Publikum, die Betrachtung, die Gedanken und weist diesen Gedanken Anlass und Ort zu. Ort ist der Kopf, der denkt; Anlass die Skulptur, das Kunstwerk. Mit dieser Äußerung impliziert er die Möglichkeit eines kollektiven Denkens, eines gemeinsamen Stück Weges.

Nicht besser als seine eigenen poetischen Worte können dies beschreiben: „Meistens, wenn ich so viele Menschen sehe,…, bin ich einer von ihnen. Einer von den vielen, die alle ihres Weges gehen. Das finde ich schön, wenn jeder seines Weges geht und jeder seine eigenen Gedanken mit sich trägt. Ja, wir behalten unsere Gedanken fest in uns. Als ob wir wissen, dass dasjenige, das wir selbst in uns mitnehmen, ganz und gar uns selbst gehört. Und das scheint uns zerbrechlich und wir tragen es nicht zu Markte. Und wenn wir dies bei uns bemerken, geschieht etwas Fremdes, Unerwartetes. Wir wollen es jemanden mitteilen. Und wenn unsere Gedanken einmal ausgesprochen sind, haben wir die Macht darüber verloren. Sie gehen ihrer eigenen Wege.“

Seit den 1980er Jahren erfindet Henk Visch Skulpturen, Zeichnungen und Texte als poetische Bildrätsel zum menschlichen Dasein. Wie sein eigener Bühnenbildner und Atmosphärenmeister, der Balance und Metamorphose zu inszenieren versteht, füllt er den als Parcours ausgelegten Ausstellungsraum mit rätselhafter Präsenz und Magie erzählerisch auf.

Mit Witz und Ironie lassen die stilistisch variantenreichen Arbeiten eine intensive Auseinandersetzung zwischen Figuration und Abstraktion erkennen. Ob figürlich oder abstrakt, klein oder groß, durchsichtig und leicht, schwer und unverrückbar, immer aber sind sie sinnlich und übersinnlich zugleich, entziehen sich einer klaren Deutung und enthüllen sich dennoch fortwährend im Augenblick ihrer Betrachtung durch uns. Henk Visch möchte die Freude am Erdenken, Erträumen unterschiedlicher Zustände und lädt uns ein, mit unseren Gedanken, unserer Phantasie, seine Arbeiten zu vervollständigen, mit ihnen zu kommunizieren.

Henk Visch 2003: „Ich hoffe, meine Arbeiten vermögen etwas zusammen zu binden, dass vorher getrennt war.“

JÜRGEN PAAS

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSMUSEUM BREMERHAVEN
JÜRGEN PAAS, ARCHIV FARBEN, 2005
FOTO: TOBIAS HÜBEL
© VG Bild-KUNST, Bonn 2020

ON THE INTERNET

Der Künstler Jürgen Paas gibt einen Einblick in sein Atelier und seine Arbeitsweise.

SEBASTIAN DANNENBERG

IM KUNSTVEREIN

IN DER KUNSTHALLE IM KUNSTVEREIN BREMERHAVEN
SEBASTIAN DANNENBERG, EASY, 2019

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Der Künstler Sebastian Dannenberg über sein Werk EASY.

EASY gehört zu einer Werkreihe von invertierten Typografiearbeiten, die im wesentlichen die Idee eines „Hinter dem Bild Stehens“ suggerieren. Faktisch zeigen die Arbeiten eine Vorderseite. Die Sichtnahme und der Standpunkt sind in den meisten meiner Arbeiten relevant. Die Schrift als urbanes omnipräsentes Zeichen ist für mich ein Anlass, um visuell über Rückseiten zu reflektieren. Es öffnet sich eine zeitliche Dimension, da in der Regel eine Bewegung oder ein Zeitfenster nötig ist, um hinter etwas zu blicken, wir blicken auf eine Rückseite und blicken zurück. Die Buchstaben sind dabei das Relikt einer Abbildung, sie wecken über die Lesbarkeit eine Assoziation die durch Inhaltliche Aufladung geschaffen wird. Diese Abbildung ist nicht zentrales Thema, aber mir gefällt die Idee das es wie eine Eintrittskarte in meine Bildsysteme funktioniert. Hat man es gelesen, ist der erste Schritt vollzogen.

In einem einige Jahre zurückliegenden Gespräch mit Mona Schieren, Kunsthistorikerin aus Bremen, ist mir ein Museumsbesuch wieder in den Sinn gekommen:

„Zu dem Komplex der Bildrückseiten gibt es so etwas wie ein initiales Erlebnis. Ich bin mit ungefähr Sechzehn im Prado in Madrid gewesen, und ich habe mich vor kurzem an den Saal erinnert, der mich am meisten beeindruckt hat. Es war ein recht unscheinbarer Raum in dem Malereien auf Leinwand in einer großen Vitrine gezeigt wurden. Das Besondere daran war, dass die Vitrine mitten im Raum stand und man auch die Rückseiten der Bilder sehen konnte. Ich erinnere mich noch genau daran, wie fasziniert ich von den Signaturen und dem gestischen Gekritzel auf diesen Rückseiten war. Es war so präsent und real, nicht durch Können und Meisterschaft verklärt oder zu einem Ehrfurcht gebietendem Abbild transformiert. Das hat mich nachhaltig beeindruckt.“ […] genre, 2017.

TINA OEHMSEN

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM  KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
TINA OEHMSEN, BODENINSTALLATION FÜR BREMERHAVEN, 1989
FOTO: TOBIAS HÜBEL

ON THE INTERNET

Dr. Kai Kähler über eine Installation der Künstlerin Tina Oehmsen.

PAUL ERNST WILKE

IM KUNSTVEREIN

AUS DEM ARCHIV DES KUNSTVEREINS BREMERHAVEN
PAUL ERNST WILKE, BÜRGERMEISTER-SMIDT-STRAßE IM WINTER, 1924
© VG Bild-KUNST, Bonn 2020

Die Kunsthistorikerin Nora Schwabe über das Gemälde "Bürgermeister-Smidt-Straße im Winter" von Paul Ernst Wilke.

Der junge Paul Ernst Wilke kehrte nach Abschluss des Kunststudiums in Berlin 1921 wieder in seine Heimatstadt Bremerhaven zurück. Hier fand er vielfältige Motive für seine impressionistische Landschaftsmalerei, die zeitlebens sein Werk prägte. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Das Interesse an seinen Bildern war groß und erste Ausstellungen in den Räumen des Kunstvereins Bremerhaven mit positiven Kritiken in der Presse folgten. Bereits zu Beginn des Jahres 1924 hatte er dort seine erste Einzelausstellung. Hans Kay, Vorstandsmitglied und zuständig für den Sammlungsaufbau sowie die Ausstellungen, beauftragte Wilke für diese Ausstellung ein neues Bild zu malen.

Von dem Standort aus, wo sich heute das Kunstmuseum befindet, malte er die winterliche schneebedeckte Bürgermeister-Smidt-Straße, sonnendurchflutet und mit einem kleinen Ausschnitt auf das Stadttheater, was heute fast noch so existiert, und dem Turm der Großen Kirche. Nicht nur die lichte Farbpalette, die leichte, scheinbar flüchtige Pinselführung und die Darstellung des Stimmungsgehaltes dieses Momentes im wechselvollen Spiel von Licht und Schatten zeichnen dieses Gemälde aus, es ist zudem ein seltenes historisches Dokument der Stadt Bremerhaven.

Auch wenn Wilke durch ein bewegtes Leben einige Male Bremerhaven verließ, kam er immer wieder zurück und ließ sich zeitlebens von seiner Vaterstadt für die Malerei inspirieren. Motive wie dieses, aber auch ihre Zerstörung 1944 und deren Wiederaufbau dokumentierte er in zahlreichen Gemälden. Damit wurde er zum unverwechselbaren Maler-Chronisten Bremerhavens. Seine Liebe zur Heimatstadt unterstreicht letztendlich auch  die Tatsache, dass er sich 1948, damals lebte er in Worpswede, ein kleines Atelier am Alten Vorhafen bauen ließ, um fortan in der Polarität von Nordseeküste und Moorlandschaft zu malen. Seit 1986 ist dieses Atelier, im Rahmen eines Stipendiums, Wirkungsstätte für nationale und internationale Künstler.

FRANZISKA HOLSTEIN

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG VON FRANZISKA HOLSTEIN 2019 IN DER KUNSTHALLE
FRANZISKA HOLSTEIN, O.T. (12), 2019
FOTO: ERIC TSCHERNOW

ON THE INTERNET

Die Kuratorin Lisa Thiele über die Arbeit o.T. (12) von Franziska Holstein.

12 Farbblätter, die gerahmt, in einem Block direkt nebeneinanderliegend, für sich stehen. Gleichwohl eine Serie. Zwölf von Zwölf. Jedes der Blätter hat seinen Platz im Gefüge. Und jedes Blatt hat eine ausreichende Kohäsion, um in diesem Präsenz zu markieren. Die Blätter sind von Franziska Holstein mehrfach mit Acrylfarbe bearbeitet. Diverse Farbschichten liegen auf beiden Seiten der Blätter übereinander. Manche noch leicht zu erkennen, andere vollkommen verdeckt. Man sieht, dass mit den Blättern gearbeitet wird. Sie werden mit ihren Farbschichten massig. Die Serie ist Resultat eines Prozesses. Allerdings entstehen ihre Teile nicht im Nacheinander. Sie entstehen gleichzeitig. So geht die starre Fokussierung auf das eine Blatt verloren. In der Gleichzeitigkeit trifft die Künstlerin intuitiver Entscheidungen. Jede Farbschicht ist die Hervorbringung eines Entschlusses. Irgendwann steht fest, welche Farbe ausreichend beständig ist, um Oberfläche zu sein. Die Darunterliegenden sind trotz des Überdeckens kein Irrtum. Während der Großteil der Farbschichten und die zweite Seite zwar verborgen sind, sind sie dennoch da. Überdecken ist nicht Entziehen sondern konstitutiv für das einzelne Blatt ebenso wie das einzelne Blatt konstitutiv für die Serie ist. Es mag beunruhigend erscheinen, dass es etwas Dahinterliegendes gibt, was als Betrachtender niemals nachvollzogen werden kann. Oder es ist faszinierend, dass immer alles zu jeder Zeit, gleichzeitig anwesend ist – nicht in einer abwartenden Haltung, um als Option sichtbar zu werden sondern als eine bestimmte Entscheidung an einer Position in der Zeit und in einem Gefüge. 

PETER BÖHNISCH

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
PETER BÖHNISCH
FOTO: TOBIAS HÜBEL

Peter Böhnisch antwortet auf Fragen von Bente Jürgensen.

Ist Zeichnung denn eigentlich Deine bevorzugte Arbeitsweise, der Ausgangspunkt Deiner Arbeiten?

Wie kommt es bei dir zu den Motiven?

Was ist für dich ein produktiver Tag im Atelier?

GERHARD VON GRAEVENITZ

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
GERHARD VON GRAEVENITZ, KINETISCHES OBJEKT, 1967
FOTO: TOBIAS HÜBEL, © VG BILD-KUNST, Bonn 2020

ON THE INTERNET

Unsere Volontärin Bente Jürgensen über das Kunstwerk "Kinetisches Objekt" von Gerhard von Graevenitz.

ANNIKA KAHRS

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
LINKS: ANNIKA KAHRS, LINES (MAUNG´S HOME), 2015
FOTO: TOBIAS HÜBEL

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Der Journalist Radek Krolczyk über das Kunstwerk "lines (Maung´s home)" von Annika Kahrs.

Vielleicht gibt es keine dynamischere Erzählung als die einer Reise. In der Zeit verändert sich nahezu alles. Landschaften ziehen vorbei, neue Figuren tauchen auf und verschwinden wieder. Am Ende ist selbst der Reisende ob seiner Erfahrungen ganz verändert. Als einzige Konstante bleibt der Heimatort. Ob nun in der Erinnerung während der Reise oder nach der Rückkehr – die Heimat bleibt stets dieselbe. Als wahrhaftiger und authentischer Ruhepol bleibt sie unangetastet.

Fiktives in der Erinnerung des Reisenden an seine Heimat hingegen ist seltener. Die Künstlerin Annika Kahrs macht in ihrer Arbeit „lines“ gerade diese Momente stark.

Im Bremerhavener Seemannsclub ließ sie sich von weitgereisten Seeleuten ihre Wohnungen und Häuser beschreiben. Diese Erzählungen bildeten den Ausgangspunkt zunächst für einfache Handskizzen, dann für Architekturzeichnungen.

Diese Form der Zeichnung erweckt den Eindruck, man hätte es mit einer nüchternen und objektiven Übertragung der weit entfernten Wohnungen der Seereisenden zu tun. Als seien sie die Resultate aufwendiger und exakter Vermessungsarbeiten. In Wirklichkeit sind sie Ergebnisse vielfacher Vermittlungsschritte. Und als solche sicherlich voller absichtlicher und unabsichtlicher Erinnerungs- und Übertragungsfehler und allerlei Verschiebungen von Größe und Bedeutung. Und als solche werden sie auf den Fahnen offenbar.

CHRISTIAN HAAKE

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
CHRISTIAN HAAKE, SBLENDID, 2015
FOTO: TOBIAS HÜBEL

Der Künstler Christian Haake über seine Arbeit "Sblendid" im Kunstmuseum Bremerhaven.

07. April 2020

OSWALD ACHENBACH

ON THE INTERNET

OSWALD ACHENBACH, DIE ENGELSBURG, 1882

ON THE INTERNET

Die Kunsthistorikerin Nora Schwabe über das Motiv der Engelsburg.

Die Engelsburg in Rom wurde 139 n. Chr. ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian und seine Nachfolger erbaut, war Schauplatz von Gladiatorenkämpfen, Festung in Kriegszeiten und auch Gefängnis. Nach Beschlagnahmung der Franzosen im 19. Jh. ging sie 1870 wieder an Italien über und wurde z. T. auch als Museum genutzt.

Groß, düster und mächtig thront die Engelsburg direkt am Ufer des Tiber. Ihren Namen erhielt die Anlage im Jahr 590, als in Rom die Pest wütete. Papst Gregor I., auch Gregor der Große genannt, soll über dem Grabmal die Erscheinung der Erzengels Michael gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete, indem er das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide steckte. Seit 1577 steht der Erzengel aus Marmor, später in Bronze gegossen, auf der Spitze der Engelsburg. Und genau solche Szenarien veranlassten die Maler der Düsseldorfer Schule im 19. Jh. zu romantisch verklärten Landschaftsdarstellungen. Doch nicht die Engelsburg befindet sich im Focus der Darstellung, sondern die im Licht der untergehenden Sonne befindliche Silhouette der Stadt Rom. Warme orange-rote Töne dominieren das Bild, unterstützt durch die Romantik von Fackeln, dem Ufer und der Brücke. Man meint, es sei eine realistische Momentaufnahme. Jedoch, das menschliche Treiben ist nur skizzenhaft dargestellt und tritt zugunsten dieses malerisch atmosphärischen, zugunsten dieses romantischen Momentes zurück.

Großartig sind die Werke einer Künstlergeneration, die sich heute Düsseldorfer Schule nennt. In einer Zeit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jh., die Menschen suchten in ihrer Freizeit das Ländliche, schufen diese Künstler mit Pinsel und Farbe Zufluchtsorte der Entspannung und Erbauung.

Oswald Achenbach prägte mit dieser romantischen Bildauffassung nicht nur den Ruf der Akademie, sondern auch die gesamte deutsche Landschaftsmalerei des 19. Jh..

MANFRED HOLTFRERICH

IM KUNSTVEREIN

IN DER AUSSTELLUNG BIS 2010 IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
MANFRED HOLTFRERICH, SERIE BLÄTTER, 1995-2007
FOTO: TOBIAS HÜBEL

ON THE INTERNET

Manfred Holtfrerich über "Bild mit gelbem Rand".

IM ATELIER DES KÜNSTLERS
MANFRED HOLTFRERICH, BILD MIT GELBEM RAND, 1971

KLAUS HARTMANN

IM KUNSTVEREIN

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
LINKS: KLAUS HARTMANN, LOTTO, 2005
AUS DER SAMMLUNG DES KUNSTVEREINS

RECHTS: HERBERT QUERFELD, STÄTTE MEINER JUGEND, 1946
AUS DER SAMMLUNG DES KUNSTVEREINS
FOTO: TOBIAS HÜBEL

ON THE INTERNET

Klaus Hartmann über den Findungsprozess seiner Motive.

27. März 2020

"Meine Fotos entstehen meistens spontan. Erst später denke ich darüber nach, warum mich ein Motiv interessiert hat und ob ich es für meine Kunst verwenden kann. Die Collage ist entstanden nach einem Schnappschuss im Kaiserhafen von Bremerhaven. Das Wandbild befindet sich an der „Letzten Kneipe vor New York“. Wahrscheinlich waren es die unwirklichen Farben, die mir unbewusst aufgefallen sind. Das gemalte Wasser wirkt wie ausgewaschen und von der Sonne gebleicht. Das Segelboot erscheint als Fata Morgana. Die Wand hat ein Eigenleben. Es sind Kabel und Strukturen im Putz zu entdecken und unter einem farblosen Glasbausteinfenster verläuft das Meer in ein Nirgendwo. Der überdimensionale Schriftzug „Lotto“ verstärkt den Eindruck einer Illusion."

WILLEM GRUYTER

ON THE INTERNET

IN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG IM KUNSTMUSEUM BREMERHAVEN
WILLEM GRUYTER, FORT WILHELM, 1870
LEIHGABE DEUTSCHES SCHIFFFAHRTSMUSEUM

Dr. Kai Kähler über Willem Gruyters "Fort Wilhelm".

24. 2020

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