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ab 12. April 2012

JOSEPH BEUYS

An seinem ganzheitlichen, basisdemokratischen Kunstbegriff schieden sich die Geister. Zu Lebzeiten polarisierte der studierte Bildhauer, Zeichner, Aktionskünstler und Universitätsprofessor die Kunstwelt, auch hier in Bremerhaven. Als der Kunstverein 1978 erstmals eine Beuys-Ausstellung zeigte, kam es in der Leserbriefspalte der Nordsee-Zeitung zu einem öffentlichen Schlagabtausch zwischen empörten Besuchern und Befürwortern. Die Auseinandersetzung und damit die Beuys-Ausstellung in der Seestadt wurden überregional wahrgenommen und vor Ort eine breitere Diskussion über den Kunstbegriff sowie die optischen Erscheinungsformen zeitgenössischer Kunst angestoßen. 
Heute zählt Joseph Beuys (1921 – 1986) kunsthistorisch zu den wichtigsten Künstlern und letzten Visionären des 20. Jahrhunderts. Die von ihm verwendeten gewöhnlichen und in jener Zeit noch kunsthistorisch unbesetzten, unkünstlerisch wahrgenommenen Materialien wie beispielsweise Fett und Filz haben inzwischen Einzug in die Kunstwelt gefunden. Die unbeabsichtigte Zerstörung seiner Kunstwerke ist, wenngleich meist anekdotenhaft verkürzt, zum Sinnbild für unverstandene oder unerkannte Kunst geworden. Positive Popularität hat sein häufig aus dem Kontext gerissener Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ bekommen und sein, diesem Satz theoretisch zu Grunde liegender, umfassender und demokratisch definierter „erweiterter Kunstbegriff“ hat die nachfolgenden Generationen nachhaltig geprägt. 
Als der Kunstverein vor diesem Hintergrund im Jahr 2005 erneut eine Beuys-Ausstellung mit Exponaten aus Schloss Moyland organisierte, war das Interesse groß. Bereits die erste Ausstellung hatte 1978 mit mehr als 800 Besuchern eine für damalige Zeit ungewöhnlich hohe Publikumsresonanz erfahren. Rund ein Viertel Jahrhundert später war das Publikumsinteresse noch höher. Mehrere tausende Besucher wollten sich das „Phänomen“ Beuys in Bremerhaven nicht entgehen sondern erläutern lassen. Zeitweise avancierten Beuys und die bildende Kunst zum Stadtgespräch, erlangten eine öffentliche und überregionale Aufmerksamkeit, die im Nachhinein betrachtet, positiv zur damaligen Museumsplanung beitrug. 
Diese lokalhistorische Bedeutung sowie der kunsthistorische Rang bildeten für den Kunstverein nun den Anlass, Joseph Beuys im Rahmen der „Veränderungen“ der Dauerausstellung im Kunstmuseum einen eigenen Raum zu widmen. Der Raum basiert, wie alle anderen Künstlerräume im Museum, auf der Sammlung des Kunstvereins. Präsentiert werden einmalige Exponate wie das Original der vielfach publizierten Aufnahme, die Joseph Beuys 1976 im Frankfurter Kunstverein im Kreise einer Studenten zeigt, oder bekannte Editionen, denen im Oeuvre des Künstlers eine wichtige Rolle zur Verbreitung seiner künstlerischen Gedanken zukam.