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Filmprogramm:"DETOURING WITH TRACTION": MARIAH GARNETT

PERIPHERIE #1

Samstag, 12.11.2022
17 Uhr Uhr, MuseumsKino, Historisches Museum Bremerhaven


Peripherie #2: Detouring with Traction: MARIAH GARNETT

Peripherie ist eine Veranstaltungs-, Recherche- und Ausstellungsreihe, die sich über die nächsten Jahre erstrecken und dem Phänomen des „Peripheren“ widmen wird. Das Programm beginnt mit der Filmreihe Detouring with Traction. Ausgangspunkt der Filmreihe, die in fünf Teilen als Kooperation mit dem Kino des Historischen Museum gezeigt wird, ist der Zusammenhang von Peripherie und Perspektive. Welche Perspektiven lassen sich auf Randbereiche und vermeintlich klare Trennlinien zwischen Peripherie und Zentrum werfen? Und wie sind Fragen nach Formen des Zusammenlebens, der Konstruktion und Beschaffenheit von Erzählungen, Körpern oder Identitäten damit verbunden?
 
Im zweiten Teil der Filmreihe werden drei Arbeiten von Mariah Garnett gezeigt – Picaresques, Full Burn und Encounters I May Or May Not Have Had With Peter Berlin. Die Künstlerin stellt in ihren Filmen und Videos binäre Vorstellungen von Gender, Erzählstrukturen, Alter, Zeit und Geschichte in Frage und arbeitet mit der Verwebung von fiktionalem und nicht-fiktionalem Material. Dabei löst sie konventionelle Genres auf und bricht mit traditionellen Hierarchien zwischen Filmenden und Gefilmten.
 
Picaresques (2011, 20 min) bringt drei unterschiedliche Protagonist:innen zusammen: Angelehnt an die sagenhaften Berichte der legendären Leutnant-Nonne Catalina Antonio de Erausos aus dem 16. Jahrhundert versucht Mariah Garnett gemeinsam mit Phoebe Lewin historische Szenen aus La Monja Alferez nachzustellen. Während Catalina Antonio abenteuerliche Taten vollbringt, sind Mariah und Phoebe mit Fragen nach ihrem Erscheinungsbild, ihrem Handeln und letztlich ihrem Verhältnis zueinander konfrontiert. Das Genre des titelgebenden spanischen Schelmenromans, das traditionellerweise von Heldentaten gerissener Vagabunden lebt, wandelt sich in Picaresques zur Erzählung von Außenseiter:innen innerhalb der Gesellschaft.
 
In Full Burn (2014, 20 min) interviewt Garnett traumatisierte US-Veteranen, die ihren Lebensunterhalt in Hollywood verdienen. Sie zeigt Stuntmänner bei der Arbeit am Set und bei deren Freizeitbeschäftigungen sowie eine Begegnung mit einem Heilmasseur. Dabei offenbaren die Gespräche über die Arbeitserfahrungen Parallelen zwischen dem Einsatz des Körpers und der damit verbundenen Ausbeutung im Militär und in der Bilderindustrie.
 
Mit der Selbstinszenierung als Kunstfigur Peter Berlin nähert sich Mariah Garnett in Encounters I May Or May Not Have Had With Peter Berlin (2012, 14 min), dem Star der queeren Subkultur der Siebzigerjahre. Auf handbemalte 16mm-Aufnahmen, in denen die Künstlerin in nachempfundenen Outfits posiert, folgen flüchtige Details einer Villa, Fragmente von Leuchtern, Brunnen, Porzellanpuppen und Schaufensterauslagen. Die vorgreifende Erinnerung an ein potenzielles Treffen mit dem isoliert lebenden Peter Berlin mündet schließlich in eine tatsächliche Begegnung in dessen Apartment in San Francisco. Dort kommt es zu einem Austausch der Generationen und einer Reflexion der beiden Künstler:innen über die Arbeit mit und vor der Kamera.
 
Mariah Garnett lebt und arbeitet in Los Angeles. Ihre Arbeiten wurden u.a. im Contemporary Arts Museum Houston, bei Commonwealth and Council, Los Angeles, im San Francisco Museum of Modern Art, im Metropolitan Arts Centre, Belfast (Tate Network), im New Museum, New York, im Hammer Museum, Los Angeles, beim New York Film Festival und beim Sundance Film Festival gezeigt. Garnett war 2019 Stipendiatin für Film & Video der Guggenheim Foundation und unterrichtet seit 2022 am Institut für Visual Arts an der University of California San Diego.

Kuratiert von Kathrin Wojtowicz.

Der Eintritt ist frei.

Telefon: 0471 46838
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