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12. Juli bis 30. August 2020

Simon Modersohn

Thomas Trümper, Kurator

Mit der Malerei von Simon Modersohn zeigt der Kunstverein die dritte Ausstellung seiner Reihe über Junge Kunst in Deutschland in Anlehnung an das Ausstellungsprojekt „Jetzt!“, die über Bonn, Wiesbaden und Chemnitz einen Überblick über die Malereipositionen junger Künstler geben wollte. Eine Auswahl der Werke ist als letzte Station noch bis Ende August in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen.

Erste in der Reihe in Bremerhaven war im September 2019 Franziska Holstein mit ihrer Farbfeldmalerei, gefolgt von Tim Freiwald im Januar mit seiner objekthaften Malerei.

Nun also Simon Modersohn, der wie Franziska Holstein in Hamburg zu sehen ist.

Der Kunstverein freut sich, dass nach Otto und Heinrich der jüngste aus der berühmten Familie Modersohn in der Kunsthalle ausstellt.

Über seine Malerei schreiben im Katalog zur Ausstellung „Jetzt!“ Nicole Büsing und Heiko Klaas:

Ein umgekippter Blumentopf liegt auf einem dieser zur Zeit schwer angesagten Gabionenzäune aus Steinen und Metall. Der perfekt geschnittene Buchsbaum gleich daneben hat sich offenbar kopfüber auf den Boden gestürzt. Etwa aus Frust über seine unnatürliche Umgebung? „Selbstmord“, der Titel dieses Gemäldes von Simon Modersohn, legt diese Vermutung nahe. Die figurativen Ölgemälde des an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Werner Büttner ausgebildeten Malers verbinden eine verhaltene Sachlichkeit mit surrealen, erzählerischen Elementen. Er sucht oft das Abgründige in Alltagsbanalitäten. Durch die prägnanten Titel wird die atmosphärisch verdichtete Bildsprache noch um eine sprachliche, oftmals humorvolle Ebene ergänzt. So trägt ein formal eher reduziertes Bild, das einen leeren Kleintierkäfig zeigt, an dessen oberen Gitterstäben eine Trinkvorrichtung angebracht ist, den lakonischen Titel „Durststrecke“ (2018).

Wiederkehrende Bildmotive bei Simon Modersohn sind ländliche Einfamilienhäuser mit geheimnisvoll erleuchteten Fenstern. Die unspektakulären Bauten sind meist umgeben von akkurat gepflegten Gärten, angereichert mit in jedem Baumarkt erhältlichen Accessoires. Wärmequellen wie Heimsaunen oder Arbeitsleuchten tauchen wiederholt in seinen Bildern auf und verleihen ihnen eine soghafte Ambivalenz. Simon Modersohn sucht einen Weg zur geistigen Vertiefung und Wahrhaftigkeit in der Darstellung komplexer Lebenszusammenhänge durch Malerei. Das Narrative entwickelt sich bei ihm erst im Malprozess. Nicht zuletzt geht es ihm aber auch um das Spiel mit wechselnden Perspektiven und Blickwinkeln. Seine ausgedachten Szenerien kommen ohne Personal aus, dennoch gibt es Spuren vorausgegangener menschlicher Betätigung, die die Bilder subtil durchdringen. Im fein austarierten Spannungsfeld von An- und Abwesenheit, Zufall und Erinnerung, Tragik und Komik, Großstadterfahrung und Landleben entwickeln die Bilder Simon Modersohns ihre enorme Dichte und Ausgewogenheit.

VERANSTALTUNGEN

IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG

Mittwoch, 19. Ausgust 2020, 18 Uhr

KÜNSTLERGESPRÄCH
mit Thomas Trümper
Anlässlich zur Ausstellung "Paket beim Nachbarn" des Künstlers Simon Modersohn veranstaltet der Kunstverein ein Künstlergespräch.

Ort: Kunsthalle, Karlsburg 4
Der Eintritt ist frei. Allerdings ist die Zahl der Teilnehmer auf 20 begrenzt. Eine vorherige Anmeldung unter 0471 46838 oder info@kunstverein.bremerhaven.de ist daher erforderlich.

Telefon: 0471 46838
Allgemeine Informationen