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20. Januar bis 24. Februar 2013

Gerhard von Graevenitz

„...13 referenzfiguren
referenzfiguren auf die sich die einsicht in den möglichen spielraum bezieht
referenzfiguren auf deren spielraum ich mich beziehe
referenzfiguren auf deren spielcharakter ich mich beziehe
einmal mit etwas angefangen haben und bei der stange geblieben macht ein klares gedächtnis
einmal mit etwas angefangen haben und bei der stange geblieben kann garnicht wie-der vergessen werden
referenzfiguren auf deren modellcharakter ich mich beziehe.“

Zit. aus: Helmut Heißenbüttel, klappentext nr. 33 für gerhard von graevenitz 16.6.74, mit freundlicher Genehmigung von Dietrich Heißenbüttel

Diese Zeilen sind aus dem Begleittext zur ersten Ausstellung des Künstlers in der Kunsthalle Bremerhaven im Jahre 1974 und umreißen den Rahmen, in dem Gerhard von Graevenitz (1934-1983) seine Werke geschaffen hat. Das künstlerische Interesse Gerhard von Graevenitz´ lag in der Untersuchung und Visualisierung von Phänomenen wie Bewegung, Licht, Raum, Zeit, Struktur, Zufall oder Progression. Er gilt als einer der konsequentesten Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst der jüngeren Generation, der sich hier besonders der Kinetik zugewandt hatte.
Seine ersten Arbeiten in den späten 1950er Jahren waren monochrome Reliefs. Ab 1960 begann er kinetische Objekte, so genannte „Spielobjekte“, zu gestalten. Mit ihren sich langsam bewegenden geometrischen Grundformen entziehen sie sich einer raschen optischen Erfassung und lösen zugleich die traditionelle Statik der bildnerischen Kunst auf. Mit Druckgrafik beschäftigte sich Graevenitz seit 1961 in Einzelarbeiten oder Serien. Wiederum befasste er sich hier mit den Fragen innerhalb der Strukturen und den Phänomenen der Wahrnehmung. Ist die Bewegung bei den kinetischen Objekten real, so bleibt sie in den Grafiken nur durch die Irritation des Betrachters nachvollziehbar. 1962 nutzte Graevenitz erstmals die neuen technischen Möglichkeiten der Computergrafik, mittels derer er Grafikserien mit geometrisch geordneten Rasterstrukturen schuf.
Nach dem anfänglich willkürlichen arbeiten mit Materialien und künstlerischen Verfahrensweisen begann Graevenitz systematisch den kreativen Prozess in Hinblick auf geplante wie zufällige Ergebnisse zu beeinflussen. Diese Systematisierung stand im Zusammenhang mit der von ihm 1962 mitbegründeten Gruppe „Nouvelle Tendance“, deren Ziel die Einbeziehung des Betrachters und die „Entmystifizierung“ der Kunst war. Für diese Absichten spielte der Zufall als ästhetische Kategorie eine wichtige Rolle.
Mit einer Auswahl seiner kinetischen Objekte sowie einer Reihe von Siebdruckserien erinnert der Kunstverein Bremerhaven an diesen ungewöhnlichen Künstler.

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