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09. Mai bis 27. Juni 2021

Stefani Glauber ≈350

Ein Mensch hat ungefähr 350 verschiedene Geruchsrezeptoren mit denen er sich durch den Alltag bewegt. In ihrer Ausstellung ≈350 setzt sich Stefani Glauber (Jg.91) fragmentarisch mit der Analyse dieser Wahrnehmung und der Digitalisierung von Geruch auseinander. Die Vorstellung und die Versuche, Geruch gezielt einzusetzen, zu steuern und digitalisierbar zu machen haben eine lange und vielgestaltige Geschichte:

Im Römischen Kolosseum waren Röhren verbaut, durch die in Wein getränkter Safran und Kräutergeruch verdampft wurde, um an heißen Tagen den Blutgeruch in der Arena zu überdecken. Rund 2000 Jahre später beschrieb Kurd Laßwitz in seiner utopischen Erzählung „Bis zum Nullpunkt des Seins“ ein Geruchsklavier. Dieses Klavier wurde im sogenannten "Odoratorium" gespielt, einer "Stätte für öffentliche Geruchs-Aufführungen", die "zu Konzertsaal und Theater als ein unentbehrlicher Erholungsort getreten" war. Neben dem Hören und dem Sehen wurde das Riechen hier als gleichberechtigte, eigenständig bespielte Sinneswahrnehmung thematisiert.

Und ebenso wie beim Hören oder Sehen erfolgt die Wahrnehmung von Gerüchen nicht ohne sozikulturelle Zuschreibungen. Wie ein Mensch andere Menschen wahrnimmt und deren Geruch beschreibt, läuft nicht frei von jenen Bewertungslinien, entlang von zum Beispiel Alter, Klasse oder zugeschriebenem Geschlecht, die eine Gesellschaft auch sonst klassifizieren. Im Unterschied zum visuellen, erfolgt dies jedoch unbemerkter. In der deutschen Alltagssprache fehlen die Adjektive in der Beschreibung von Gerüchen und den Rest macht das Tabu. Stefani Glauber nähert sich diesen Aspekten mit einer großformatigen, collageartigen Papierarbeit.

Direkt mit dem Geruch der Kunsthalle beschäftigt sich eine weitere Arbeit, eine Audioguide-Führung, die durch die Ausstellung trägt und den Blick auf etwas richtet, das nicht zu sehen ist: Die Analyse und damit die Geschichte der Geruchsmoleküle der Luft im Kunstverein Bremerhaven.

Auch die Geruchsveränderung der Luft durch Besuchende wird zum Material der Ausstellung: Ein Geruchssensor im Raum detektiert die Luft. Die Ausgabe erfolgt auf einer Website, sodass von außen beobachtet werden kann, ob eine Person im Ausstellungsraum ist oder nicht.

Während künstlerische Arbeiten mit Spiegeln oder seit den 1990er Jahren auch mit Videokameras, die die Besuchenden sich in der Ausstellung selber sehen lassen, zum festen Bestandteil der zeitgenössischen Kunst geworden sind, wendet Stefani Glauber diese Selbstreflektion auf den Bereich des Geruchs an.

www.ungefeahr350.de

≈350 ist eine Ausstellung im Rahmen des Landesausstellungsprojektes „Smell it!“ zum Geruch in der zeitgenössischen Kunst und wurde von Dr. Kai Kähler kuratiert.  

www.smellit.eu@smellit #smellit #geruchinderkunst

 

Telefon: 0471 46838
Allgemeine Informationen
 

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