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DAPHNE AHLERS, LEDA BOURGOGNE, EVELYN PLASCHG, PUPPIES PUPPIES (JADE GUANARO KURIKI-OLIVO)

5.6. - 4.9.2022

Die Ausstellung führt vier Positionen einer jüngeren Künstler:innengeneration zusammen, die sich mit Körper, Begehren, Gender und Geschlecht beschäftigen. Die gezeigten Arbeiten erstrecken sich über die gesamte Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen – von Malerei über Zeichnung, Skulptur und Installation bis hin zum Ready-made.
 
Daphne Ahlers (*1986) arbeitet im Bereich der Skulptur. Ihre Werke spielen mit Assoziationen, die den Körper bzw. Körperlichkeit aufrufen. Im Mittelpunkt stehen hierbei die soziale Konstruktion des Geschlechts wie auch die ihm eingeschriebenen trennenden und einordnenden Zuschreibungen. Die diesen (patriarchalen) Diskursen zugrundeliegenden bzw. sie in ihrer Reproduktion immer wieder neu erzeugenden Denk- und Handlungsweisen, Formen und Symbole werden in Ahlers Arbeiten humorvoll, aber auch ohne Scheu vor erotischen Aufladungen aufgerufen, um sie zugleich zu kommentieren, zu überarbeiten, zu unterlaufen und in »alternative Ausdrucksweisen« zu überführen. Ahlers Arbeiten bedienen sich dabei historischer wie popkultureller Bezüge: Sei es der Hexenbrunnen »Witches’ Well« des Edinburgh Castle, ein Mahnmal an die Verfolgung und Hinrichtung von über 4.000 vermeintlichen schottischen Hexen, oder das Motiv der »Schamkapsel«, Element der männlichen Mode des 15. und 16. Jahrhunderts wie auch Schutzbekleidung im heutigen Kampfsport. Für ihre Arbeiten hat Ahlers die Begriffe »soft sculpture«, für die sie vor allem weiche und biegsame Materialien wie Schaumstoff, Latex und Stoffe verwendet, und »shell scultpure«, die auf Formen basieren, die „Weiches vor Gewalteinwirkung beschützen sollen“, geprägt. Das Weiche, Biegsame, Anpassungsfähige hat also für Ahlers eine wichtige, zu schützende Bedeutung. Es ist quasi eine Haltung, eine Art positive Abgrenzung oder Widerstand gegen das Harte und kann als Potential bzw. Symbol für die Möglichkeit der Formbarkeit gesellschaftlicher Diskurse verstanden werden. 
 
Die Arbeiten von Leda Bourgogne (*1989) – zu denen objekthafte Bilder ebenso zählen wie Lyrik, Performance, Zeichnung, Skulptur und Installation – finden ihren Ausgangspunkt in einem Interesse an Psychoanalyse, Philosophie, Literatur, Film und feministischen Diskursen. Wie sich die Bezüge in den Arbeiten überlappen, fortschreiben, mitunter aber auch fragmentarisch nebeneinanderstehen, spiegeln sich diese Momente auch formal-ästhetisch in ihren Werken wider. Eine weitere zentrale Rolle nimmt in Bourgognes Arbeiten der Körper ein. Dieser wird in seinen unterschiedlichen Facetten aufgerufen: Sowohl als organisch und verletzlicher als auch als Objekt (erotischen) Begehrens. Der Körper ist bei Bourgogne jedoch kein ganzer, sondern ein fragmentierter, zuweilen ein beschädigter, dessen Wunden jedoch versorgt wurden. Dieses Motiv des Ambivalenten, des Nicht-Fassbaren, des Widersprüchlichen, Unvollständigen und Instabilen verweist dabei auf die Fragilität von Identitätskonstruktionen wie es auch die Grenzen zwischen dem Intimen und Öffentlichem, dem Privaten und Politischen zu befragen und aufzulösen sucht.
 
Die künstlerische Praxis von Evelyn Plaschg (*1988) ist im Bereich der Zeichnung angesiedelt. Im Fokus ihrer Arbeit steht der Körper – ihr eigener wie der der anderen –, dem sie sich ausgehend von Fotografien und Stills annähert, die während Treffen mit Freund:innen entstehen, bei denen sie miteinander agieren und sich gegenseitig filmen. So erzählen Plaschgs Arbeiten vom Begehren nach dem eigenen Körper und dem Selbst, aber auch vom Interesse am anderen, am kollektiven körperlichen Erleben, an (realen und imaginierten) sozialen Räumen, in denen sich Körper begegnen. Die eigene Körperlichkeit realisiert sich immer auch als Teil eines sozialen Gefüges. Körper und Identitäten sind durchlässig, nach außen hin offen, selbst wenn sie für sich bleiben. Trotz ihrer Unmittelbarkeit und Verletzlichkeit – denn es sind nackte Körper, die Plaschg zeichnet – bleiben ihre Arbeiten dennoch auf Distanz, sind ephemer und ungreifbar. Die Körper werden zwar auf- und vorgeführt, verwehren sich jedoch aufgrund ihres »Unausgearbeitet-Seins«, ihrer Durchlässigkeit und Verschwommenheit, der Ausschnitte, Verzerrungen und Perspektiven sowie einer Farbigkeit, die sich meist um einen Farbton auffächert. So weisen Plaschgs Zeichnungen gleichermaßen ein exhibitionistisches Moment auf wie sie von Aspekten des Entzugs und der Verschlossenheit durchzogen sind.
 
Die konzeptuellen und oftmals auf dem Ready-made-Prinzip basierenden Arbeiten von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) (*1989) zeichneten sich bis vor wenigen Jahren dadurch aus, dass sie unter dem Pseudonym »Puppies Puppies« von einem anonymen Künstler:innensubjekt verfasst wurden. Der Name ließ weder Rückschlüsse auf Ethnie und Geschlecht noch auf soziale Herkunft oder Anzahl der Personen zu. Die damit verbundene Verunmöglichung der Zuordnung zu einer sozialen Identität wie auch die daraus entstandenen »Mythen« über die mögliche Künstler:innenpersona waren stets Teil ihrer Arbeiten sowie der darin auftretenden »Figuren« – zumeist Charaktere aus der Populärkultur. Das Heraustreten von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) aus dieser verschleierten Identität begann 2018 und überlagerte sich mit dem realen »Transitioning« der Künstlerin. Mit ihren sehr persönlichen Arbeiten fragt Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo)danach, welche Projektionsfläche das Konzept Identität bietet. Handelt es sich doch weniger um ein eigentliches »Selbst« als vielmehr um eine Idee, die davon konstruiert wird und bei der Fiktionen eine wichtige Rolle spielen. In den letzten Jahren ist die aktivistische Praxis und das Engagement für die Rechte von (Transgender-)Minderheiten in den USA zentraler Teil der Praxis von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) geworden. So befragt sie mit ihren Arbeiten nicht zuletzt auch die (politische) Rolle von Künstler:innen.

Kuratiert von Stefanie Kleefeld


Veranstaltungen
 
Samstag, 18. Juni 2022, 14 – 16 Uhr 
»Kinderclub« mit Carla Mantel
Für Kinder ab 8 Jahren
Um Anmeldung wird gebeten bis zum 16. Juni 2022 unter info [at] kunsthalle-museum-bremerhaven [dot] de

Donnerstag, 23. Juni 2022, 18 Uhr
Cocktailabend und Rundgang durch die Ausstellung mit Julia Bokermann 
Um Anmeldung wird gebeten bis zum 21. Juni .2022 unter info [at] kunsthalle-museum-bremerhaven [dot] de

Donnerstag, 14. Juli 2022, 16:30 bis 18 Uhr 
Donnerstag, 21. Juli 2022, 16 bis 18 Uhr

Zweiteiliger Workshop des ATELIER GOETHE45 in der Kunsthalle
Für Jugendliche ab 13 Jahren

Freitag, 19. August 2022, 18 Uhr
Gespräch zu den Arbeiten von Daphne Ahlers mit Melanie Ohnemus (Kunsthaus Glarus) und Stefanie Kleefeld

Freitag, 26. August 2022, 18 Uhr 
Gespräch zu den Arbeiten von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) mit Nikola Dietrich (Kölnischer Kunstverein) und Stefanie Kleefeld

Montag, 29. August 2022, 18 Uhr
Gespräch zu den Arbeiten von Evelyn Plaschg mit Ramona Heinlein (PASSE-AVANT) und Stefanie Kleefeld

Freitag, 02. September 2022, 18 Uhr
Gespräch zwischen Leda Bourgogne, Cathrin Mayer (Halle für Kunst Steiermark, Graz) und Stefanie Kleefeld
 

Die Ausstellung und das Rahmen- und Vermittlungsprogramm werden ermöglicht durch

 

Telefon: 0471 46838
Allgemeine Informationen
 

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