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16. Januar bis 6. März 2011

PAUL SCHWER
MORNING MARGARETA

Paul Schwer stellte sich erstmals 2000 in der Kunsthalle mit einer begehbaren "Farbverspannung" aus orange und türkis gefärbtem Tüllstoff vor. 2005 zeigte er im Rahmen des Bremerhaven-Stipendiums die Bildperformance "Blast", bei der mit Buttermilch und Pigmenten bemalte, auf Baustrahler gelegte Glasscheiben zuerst als ein farbig glühendes Bodenrelief erstrahlen, bevor das Glas in nicht kalkulierbaren zeitlichen Abständen mit einem lauten Knall zerspringt. Die Aura des erhitzten Bildes zerplatzt und verwandelt sich dabei in ein neues, wiederum sehr ästhetisches Bild aus sich kreisförmig überlagernden, farbigen Splittern und großen Bruchstücken aus Glas und Farbe.
Während sich in der ersten Ausstellung die Entwicklung der Malerei vom Leinwandbild in den Raum in eine atmosphärisch aufgeladene Installation vollzog, reißt "Blast" den Betrachter, obwohl anfangs sichtlich auf die Tradition der Farbfeldmalerei anspielend, mit der performativen Verwandlung durch das aggressive Zerplatzen des durchleuchteten Bildträgers aus der meditativen Versenkung.
In neueren Arbeiten führt die Verwendung von transparenten Materialien und Hitze in den "Baos" zu komplex ineinander verschlungenen Formgebilden. Als raumgreifende Malerei mit äußerst vielschichtigen räumlichen Faltungen wird die Farbfläche zum Farbkörper, der eine einfache Dichotomie von innen und außen nicht mehr zulässt. Bei den neuesten Arbeiten – den "wall-paintings" – durchbricht farbiges Licht die Wand und erweitert auch hier die Malerei von der Fläche in den Raum. Wie bei "Blast" stößt und bricht Licht durch den Bildträger und lässt in einer anarchisch elementaren Geste etwas von der Wucht der Wirkung ursprünglicher Wandmalerei auf den Betrachter erahnen. Auch hier entsteht durch Destruktion etwas Neues. Farbe und Licht bringen das Gleichgewicht des gefügten Raumes bedrohlich ins Wanken. In der Kunsthalle Bremerhaven stellt Paul Schwer jetzt in einer raumfüllenden Installation "Baos" und "wall-paintings" vor, die den Besucher weniger atmosphärisch umhüllen, als physisch bedrängen.


Parallel zu der Ausstellung in Bremerhaven zeigt auch das Museum für gegenstandsfreie Kunst in Otterndorf eine Übersicht der Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers. Die Eröffnung findet am selben Wochenende statt.

Künstlergespräch: 17. Februar 2011, 18:00 Uhr