Sitemap | Impressum |

ab 1. März 2013

Alicja Kwade - Jubiläumsraum

Anfang März sind fünf Jahre vergangen, seit Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Jahr 2008 die Dauerausstellung mit Werken aus der Sammlung des Kunstvereins Bremerhaven im Kunstmuseum in Bremerhaven eröffnet hat. In dem eigens zu diesem Zweck erbauten Gebäude zeigt der Verein seither in 15 Räumen Werke der bildenden Kunst von der spätromantischen Malerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart. In unregelmäßigen Abständen wird die inhaltliche Gestaltung der  Räume verändert. Es werden neue Werkgruppen präsentiert, mit dem Ziel, nach und nach die gesamte Bandbreite der Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Anlässlich des kleinen Jubiläums findet innerhalb dieser Tradition die mittlerweile sechste Veränderung, diesmal mit Werken der Künstlerin Alicja Kwade statt.

Es gehört zu den Merkmalen des Bremerhavener Museums, dass einer Künstlerin, einem Künstler oder einer Künstlergruppe ein ganzer Raum gewidmet wird. Viele Räume wurden  von den Künstlern selbst eingerichtet und sind kleine Einzelausstellungen. Allen Künstlerinnen und Künstlern ist gemein, dass sie auf die eine oder andere Weise mit Bremerhaven verbunden sind. Sei es, dass sie frühzeitig in ihrem künstlerischen Werdegang in der Kunsthalle oder im Kabinett für aktuelle Kunst eine Ausstellung hatten, oder sei es, dass sie als Stipendiaten ein Jahr in Bremerhaven gelebt und gearbeitet haben. Dies galt bereits für die Worpsweder Künstler wie Otto Modersohn, Fritz Overbeck oder Richard Oelze, die alle bereits zu Lebzeiten vom Kunstverein Bremerhaven mit Ausstellungen in  den damaligen Unterweserorten vorgestellt wurden. Es gilt für Gerhard Richter, dessen „Atlas“ Anfang der 1970er Jahre in der Kunsthalle Bremerhaven erstmals in Deutschland gezeigt worden ist, es gilt für Luc Tuymans, der seit Beginn der 1990er Jahre wiederholt in Bremerhaven ausgestellt hat und dessen graphisches Werk in seiner vollständigen Bandbreite unlängst erstmals in der Kunsthalle und im Kunstmuseum gezeigt wurde, und es gilt auch für Alicja Kwade.

Es gibt nur wenige künstlerische Positionen, deren Arbeiten gegenwärtig eine vergleichbare Aufmerksamkeit wie die der jungen Bildhauerin erfahren. Leichthin hinterfragt sie uns bekannte Gegenstände, physikalische Gesetze oder materielle Eigenschaften, Zweckbestimmungen und gesellschaftliche Vereinbarungen. Ihre Kunst irritiert durch neue Formen, Verwendungen und Sichtweisen auf zuvor selbstverständlich Hingenommenes. Häufig spielt sie mit der produktiven Spannung zwischen der an Minimal Art erinnernden Oberflächenbeschaffenheit der Arbeiten und dem alltäglichen Aspekt ihrer ursprünglichen Verwendung. Dabei bedient sich die Künstlerin gezielt dem Medium der Installation und integriert immer wieder Fundstücke und Alltagsobjekte.

Nach einer beeindruckenden Zahl von Einzel- und Gruppenausstellungen, darunter im Hamburger Bahnhof in Berlin, in der Bundeskunsthalle Bonn oder der Kestnergesellschaft Hannover erhielt sie 2011 den Robert-Jacobsen-Preis für Bildhauerei und das Bremerhaven-Stipendium. Ihren Aufenthalt nutzten der Oldenburger Kunstverein und der Kunstverein Bremerhaven in einer Kooperation für die Vorstellung der Künstlerin in der Nordwestregion mit zwei Einzelausstellungen. In Bremerhaven beschäftigte sich Alicja Kwade in der Installation „Alkahest“ mit dem Transformationsprozess zur Gewinnung von Gold, der zugleich auf eine innere Wandlung zielte. Sie installierte Goldwäscherschalen und verteilte im Ausstellungsraum Glasscheiben aus dem Kunsthallenoberlicht wie zu Boden geglittene schlaffe Herbstblätter. In ihrer neuen Rauminstallation im Kunstmuseum thematisiert Alicja Kwade nun passend zum fünfjährigen Ausstellungsjubiläum die Dimension der Zeit.