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ab 24. Januar 2010

ERSTE VERÄNDERUNG
GREGOR SCHNEIDER

Erregte Auseinandersetzungen, Debatten weit über den engeren Kreis der Kunstszene hinaus sind ihm nicht fremd. Immer wieder führten seine Kunstprojekte zu teilweise emotionsreichen Diskussionen. Höchstes Lob war dabei ebenso vertreten wie vernichtende Kritik. Ja sogar Morddrohungen hat er erhalten. Die Rede ist von dem Künstler Gregor Schneider. Ende der 1980er Jahre begann er damit Räume im Inneren eines mehrstöckigen Hauses umzubauen. Der Umgang mit Räumen, mit Innen- und Außenräumen, mit Zwischenräumen, toten Räumen, ihrer Verdopplung oder Veränderung ist bis in die Gegenwart Gegenstand seiner Arbeit. Seine skulpturale Tätigkeit zielt indes zugleich auf unterschwellige Ängste ab. Er thematisiert Klischeevorstellungen, hinterfragt unsere Wahrnehmung und macht die Abgründe der menschlichen Existenz zum Thema seiner Kunst.

Emotionale Reaktionen sind somit vorhersehbar. Als er 2005 zur 51. Biennale von Venedig auf Einladung auf dem Markusplatz einen schwarzen Kubus errichten lassen wollte, führte sein Vorhaben jahrelang zu interkulturellen Diskussionen, als der Bau aus Furcht vor islamistischen Anschlägen aus Rom gestoppt wurde. 2008 erregte sein Gedanke eines öffentlichen Sterberaums monatelang die Gemüter. Für seine Ausstellung „Totes Haus u r“ im deutschen Pavillion auf der 49. Biennale von Venedig wurde er hingegen bereits im Jahre 2001 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, eine der renommiertesten Auszeichnungen in der Kunstwelt.

In Bremerhaven ist dieser kontrovers diskutierte Künstler bereits viel früher bekannt gewesen. Schon im Jahre 1998 lebte er als Stipendiat des Vereins KUNST & NUTZEN für ein Jahr in der Stadt. Zum Abschluss seines Aufenthaltes fand 1999 eine große Fotoausstellung in der Kunsthalle statt. Für Ausstellungen im Kabinett für aktuelle Kunst war er zuvor und danach wiederholt vor Ort. Ja, er verdoppelte, vervielfältigte das Kabinett sogar. Unter anderem ist es originalgetreu im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt nachgebaut. Dort ist es ein Werk des Künstlers und derzeit zugleich Ort für eine Wiederholung zentraler Ausstellungen aus der Geschichte des Kabinetts. Im MMK wiederholt Gregor Schneider somit nicht nur den statischen, auratischen Raum, sondern darüber hinaus seine kunsthistorische Bedeutung.

Nun kommt Gregor Schneider in Bremerhaven auch in das neue Kunstmuseum. Entsprechend der bisherigen Museumskonzeption, die Künstlern oder Künstlergruppen zur vertieften Präsentation jeweils einen eigenen Raum zuordnet,  – die überwiegende Zahl wurde zudem in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern gestaltet – wird Gregor Schneider ebenfalls einen ganzen Raum bespielen.