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Kunsthalle

14. Mai bis 25. Juni 2017

TATJANA DOLL
III BIII

Mit der Ausstellung III BIII präsentiert der Kunstverein die aktuelle Preisträgerin des Hannah-Höch-Förderpreises für Malerei 2016. Es handelt sich nicht um die erste Ausstellung der Malerin Tatjana Doll (Jg. 1970) in der Seestadt. Bereits 2005 zeigte sie in der Kunsthalle ihre Ausstellung Bier für Öl. Das zentrale Werk bildete damals ein ca. 15 m langes und 4,5 m hohes Gemälde eines Öltankers, dass in der Diagonalen die ganze Tiefe und Höhe des großen Ausstellungsraumes der Kunsthalle einnahm. Mit der ungewöhnlichen Präsentationsform sowie mit dem Motiv eines Alltagsgegenstandes und seiner ungewöhnlichen Größe war das Gemälde typisch für die Werke der Künstlerin, die mit realistisch wenngleich nicht detailgenau gemalten Bildern von Ferraris, Müllfahrzeugen, Piktogrammen, Waffen bis hin zu Flugzeugen oder Hochgeschwindigkeitszügen bekannt geworden war.

Typisch ist die Malweise der Künstlerin mit glänzenden Lackfarben. Die Spuren des Farbauftrages sind deutlich erkennbar. Schnell, großflächig und zügig gemalt, bleibt die Oberflächenbehandlung, nass in nass mit allen Spuren des Farbverlaufs und Unregelmäßigkeiten, ungeschönt sichtbar. In ihrer Direktheit korrespondiert diese Malweise mit den Motiven. Aus der Verknüpfung von Motiv, Format, Malweise und der Präsentationsform ergibt sich etwas Ungewöhnliches und die Darstellung des alltäglich Offensichtlichen durch Tatjana Dolls künstlerische Transformation irritiert.

 In jüngster Zeit hat sich Tatjana Doll in neuen Bildserien in ihrer Motivfindung ikonografischen Werken der Kunstgeschichte zugewandt, wie beispielsweise dem Gemälde Guernica von Pablo Picasso, den Cowboy-Bildern von Richard Prince oder Werken von Caspar David Friedrich und Sigmar Polke. Dabei handelte es sich indes nicht um roh oder vereinfacht gemalte Kopien, sondern eher um Übermalungen oder interpretative Übertragungen, bei denen Tatjana Doll die historischen Motive in neue, aktuelle Zusammenhänge stellt.

Für die aktuelle Ausstellung III BIII sowie der dazu entstandenen Edition Parental Advisory beschäftigt sich die Künstlerin nun mit Motiven aus dem Science-Fiction-Film District 9 (2009) und dem US-amerikanischen Underground Hip-Hop. Themen, Ausdrucksformen und Fiktionen des Hip-Hops machen die Freiheit der Kunst aus. Sie bietet den Künstlerinnen und Künstlern den produktiven Freiraum, in Texten, Songs und Bildern neue Welten zu entwerfen. Und das Gewähren dieser Freiheit ist wiederum die Voraussetzung und die Leistung liberaler Gesellschaften, die es jedem ihrer Mitglieder erlauben, Wünsche, Ideen oder Optionen neuen Miteinanders zu entwerfen. Doch es ist nicht leicht, diese Leistung zu erbringen, denn das Gewähren von Freiheiten bedingt auch den Umgang und das Aushalten von Grenzüberschreitungen. Die hierfür erforderliche Zeit, Diskussionskultur und Toleranz gerät momentan mächtig unter Druck. Der Film District 9 des Regisseurs Neill Blomkamp thematisiert u.a. die Begrenzung von Freiheiten, die Angst vor dem Fremden und stellt dabei einen direkten politischen Bezug zur rassistischen Apartheids-Politik der 1970er Jahre in Südafrika dar.

Telefon: 0471 46838
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