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12. November bis 31. Dezember 2017

REINHOLD BUDDE
PLATTFORM

Eröffnung, 12.11.2017, 11 Uhr
Einführende Worte spricht Dr. Joachim Kreibohm, Bremen

„Site-specific“, „in-situ“, „Ortsspezifik“ sind Begrifflichkeiten und Beschreibungen ästhetischer Strategien und Konzepte, die dem geschlossenen Werkbegriff diametral gegenüberstehen. „Site specific“ gilt als Kunst, die sich je nach Situation auf architektonische, funktionale sowie auf historische, soziologische und politische Aspekte des Ausstellungsortes bezieht. Reinhold Budde hat sich vornehmlich raumbezogenen Strategien verschrieben, die präzise in bestehende Raumgefüge eingreifen. Der Bremer Künstler hat sein Konzept ausgehend von der Malerei immer weiter in den Raum ausgedehnt. Die Arbeiten lösen sich von der Wand, dringen in den Raum oder werden ausschließlich für eine bestimmte Raumkonstellation produziert. Beispielsweise seine Ausstellungen in Bremen im Gerhard-Marcks-Haus (2013), in der Galerie des Westens (2014), im Atelierhaus Friesenstraße  (2016) sowie im Gartenpavillon des Malkasten e.V. in Düsseldorf (2015) und im Kunstverein Ruhr in Essen (2017). Auch die Ausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven lässt einen spezifischen Umgang mit dem Raum erkennen. Reinhold Budde weiß, der Raum lässt sich nicht erobern, ohne ihn zu inszenieren.

„Plattform“ ist der Titel der Ausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven und verweist auf Veränderungen der Empore, die unmittelbar zum Ausgangspunkt eines ästhetischen Kommentars wird. Acht weiß lackierte Profilleisten aus Aluminium fungieren als Stützen, scheinen die Empore zu tragen, halten aber an ihren skulpturalen Eigenschaften fest. Schlussendlich bleibt ihre Funktion rätselhaft, der Betrachter befindet sich in einem Raum des Unbestimmbaren.

Der Blick von der Empore in den Raum wird magisch von einer Wandarbeit angezogen. Die Wandfläche ist geschwärzt und davor eine durchlässige schwarze Filamentmatte befestigt. Durch die mit leichtem Abstand von der Wand befestigte Matte erhält die Arbeit eine Tiefe, findet den Weg in den Raum und in die Dreidimensionalität. Über das gewählte Material stellt sich ein Bezug zur außerbildlichen Realität her. Budde reagiert pointiert auf das städtische Umfeld, seine Interventionen öffnen sich anderen Bereichen gesellschaftlicher Wirklichkeit und relativieren die Hermeneutik selbstreferentieller Strategien und Konzepte. Exemplarisch für sein Werk ist eine weitere Intervention: Reinhold Budde hat vor dem Garderobeneinbau einen Vorhang aus verschiebbaren roten Moltonflächen befestigt. Wird nun durch diesen Eingriff der Garderobe ihre eigentliche Funktion genommen, wird die Garderobe zu einem Kunstwerk, wo das Postulat „don‘t touch“ gilt oder ist sie noch Garderobe? Ihrer ursprünglichen Funktion entkleidet erfährt die Garderobe einen Bedeutungswandel und eröffnet eine imaginäre Ebene.

Seine mit handwerklicher Präzision ausgeführten Raumeingriffe sind in der Lage, ihre Umgebung neu zu strukturieren und in die Bewegungsabläufe der Besucher einzugreifen. Stets zielen diese Interventionen auf die Veränderung der vorgefundenen Situation, lassen unterschiedliche Leseweisen zu und öffnen Assoziations- und Denkräume. Reinhold Budde erweist sich als Grenzgänger zwischen den Gattungen, denn er arbeitet mit monochromen Flächen, gestaltet Objekte und schafft räumliche Situationen. Seine Arbeiten bieten ein komplexes Spiel von Wahrnehmungsangeboten, zielen auf Verdichtungen - Verdichtungen von Paradoxien, Atmosphären und räumlichen Situationen. Eine Verzahnung scheinbar widersprüchlicher Elemente findet statt. Buddes Konzentration auf raumbezogene Strategien und Konzepte hat längst dazu beigetragen, dass sein Werk hohe Akzeptanz findet.

Dr. Joachim Kreibohm

Telefon: 0471 46838
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